Hörgeräteanpassung

Ablauf einer Kinderanpassung:
Fragen und Antworten
Zuerst ist es wichtig, dass Sie als Eltern Ihre Fragen los werden und zufriedenstellende Antworten erhalten. Die werden allerdings nicht immer so ausfallen, wie Sie es sich vorstellen. Wir Pädakustiker sind im Prinzip Techniker. Wir brauchen Diagnosen und Messungen, um einen kleinen Computer so zu programmieren, dass er Ihrem Kind beim Hören und Verstehen hilft (ja- das ist für uns ein Unterschied). Wir sind zwar recht breit vorgebildet und die meisten von uns können auf einen recht großen Erfahrungsschatz, was hörgeschädigte Kinder betrifft, zurückgreifen. Aber es wird immer wieder Fragen geben, die im Bereich der Pädaudiologischen Beratungsstelle oder der Medizin und damit außerhalb unserer Kompetenz liegen.
Vorgespräch
Ein Pädakustiker stellt eine Menge Fragen, die zum Teil recht persönlich sind. Sie sind dazu da, Ihr Kind als Ganzes zu erfassen und die einzig richtige und optimale Hörversorgung Ihres Kindes in seiner Situation zu gewährleisten.Otoskopie
Danach betrachten wir mit einem Otoskop (das ist eine Art Leuchtlupe, mit der wir den Gehörgang und meist auch das Trommelfell betrachten können) das Außenohr und den Gehörgang Ihres Kindes. Wir untersuchen, ob das Ohr für eine Ohrabformung geeignet ist (siehe dort) und hoffen, dass wir weder Auffälligkeiten noch Mittelohr-Infekte sehen, die den Hörtests und Abformungen im Weg stehen.
Audiometrie
siehe zu diesem Thema auch „Diagnose“
Abformung
Um vorweg die bangen Fragen zu beantworten: Abformung tut nicht weh! Allerdings weinen kleine Kinder bis zum Entwicklungsalter von ca. 4 Jahren manchmal, weil das Fest- und Stillhalten ihnen nicht gefällt, oder weil sie bereits durch Paukenröhrchen und Ohrsäuberungen schlechte Erfahrung mit Menschen gesammelt haben, die ihr Ohr anfassen.Die gute Abformung ist besonders bei „stärkeren“ Hörminderungen und der Hörversorgung bei kleinen Kindern und Babys ein wichtiges Thema. Wie in der Ausbildung zur Krankenschwester, lernen wir in unserer Ausbildung den richtigen „Griff“ der Mutter/des Vaters, um eine gute Abformung zu gewährleisten. Eine zügige und gleichzeitig gefühlvolle Abformung mit einer langen Abbildung des Gehörganges liefert gute Ohrpassstücke, die dicht im Ohr sitzen und eine optimale Übertragung sichern.
Beratung
Die Beratung sollte folgende Aspekte berücksichtigen:
Kinder bekommen fast ausnahmslos Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte. Die sind robuster und wachsen besser mit. Wenn das Ohr wächst, reicht es, ein neues Ohrpassstück zu machen. Und wenn mal ein Gerät versehentlich mitbadet, können wir zeitnah für gleichwertigen Ersatz sorgen. Teilweise passen die Im-Ohr-Hörgeräte nicht einmal in das zierliche Ohr eines Kindes. Und bei größeren Hörminderungen fällt ein Im-Ohr-System schon deshalb aus, weil es entweder drücken oder ständig pfeifen würde.
Die „Hörlies“ sollten aus Gründen des Selbstbewusstseins und der sozialen Akzeptanz möglichst in ansprechenden, bunten Farben angeboten werden. Hat Ihr Kind eine Lieblingsfarbe? Beziehen Sie es in die Beratung ein, wenn es dafür schon alt genug ist. Unsere Größeren zeigen einen erstaunlich guten Geschmack, was die Wahl der Farben ihrer „Hör-Kumpels“ betrifft. Es ist durchaus möglich, digitale und moderne Hörgeräte ohne Zuzahlung anzupassen, wenn sie in einer gesetzlichen Krankenversicherung sind (Sonderwünsche ausgenommen). Wir verzichten mit Absicht auf Anpassung der neusten Technik. Die sollen bitte erst die „großen Ohren“ auf Herz und Nieren testen, bevor wir die wertvollen Kinderohren damit versorgen. Spracherkennung und Störgeräuschunterdrückung sind für Kinder tabu, da sie ihre Umwelt möglichst natürlich hören lernen sollen.
Ohrpassstücke sollten für Kinder weich und bunt sein. Kinder sollen toben, auch wenn sie ihre Hör-Kumpels dabei haben. Weiche Ohrpassstücke minimieren das Risiko von Verletzungen, wenn z.B. ein Ball das Ohr trifft.
Die Anpassung:
Die Anpassung sollte mit moderner Technik und kindgerechtem Material erfolgen. Je kleiner das Kind, um so wichtiger sind objektive Messungen (siehe dort) um das System einzustellen.
Je nach Entwicklungsalter und Vorlieben Ihres Kindes werden unterschiedliche Messungen zur Überprüfung der Anpassung gemacht. Daher sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind zum Anpasstermin möglichst munter und ausgeschlafen ist. Müde Kinder haben keine Lust auf Hör-Tests!Die Bedienung des angepassten Hörgerätes wird Ihnen erklärt und eine Bedienungsanleitung zum Nachlesen bekommen Sie mit nach hause. Zusätzlich erhalten Sie Ersatzbatterien und einen Beobachtungsbogen, der Ihnen hilft, den Erfolg der Hörversorgung zu beurteilen.
Beim nächsten Termin findet meist eine Besprechung des Erfolges und eine Feinanpassung der Systeme statt, je nachdem, wie es geklappt hat. Evtl. können wir an diesem Termin versäumte Messungen wegen Müdigkeit oder schwindender Konzentration nachholen.
Danach sollte eine vergleichende Anpassung eines Hörgerätes von einer anderen Firma stattfinden. Sie bewerten im Vergleich, welches der 2-3 verschiedenen Systeme die besten Hörergebnisse liefert. Manchmal macht ein kleiner Verstärkungsunterschied in einer Frequenz schon eine Menge aus. Und keine Angst, wenn es keinen Unterschied gibt! Wir wählen dann gemeinsam das System aus, dass am besten passt und/oder am robustesten ist.
Wenn das passende Hörgerät gefunden ist, werden Sie in Reinigung, Pflege und Zubehör für die „Hörlies“ eingewiesen. Außerdem bekommen Sie zusammen mit dem sogenannten Anpassbericht für die Nachkontrolle einen Hörakt mit den Hördaten Ihres Kindes und einen Hörplaner, in dem der nächste Termin zur Überprüfung der Hörgeräte steht. Wenn die Anpassung optimiert ist, wird die verordnende Stelle die Hörversorgung begutachten und wenn alles o.k. ist, befürworten.
Nachkontrollen
Alle drei Monate sollte eine Kontrolle der Anpassung stattfinden. Dann werden die Hörschläuche hart und bei kleinen Kindern kann bereits ein Wachstum der Ohren stattgefunden haben. Das bedeutet, dass die Geräte evtl. pfeifen und/oder die Verstärkung der Hörgeräte nicht mehr optimal passt.
Bei Fragen zwischendurch ist es immer besser, einmal mehr anzurufen, als sich unnötig Sorgen zu machen. Wir sind immer gerne für Sie da!
